Was Friseure nicht wissen sollen

Friseur mit Schere und Kamm vor dunklem Hintergrund. Das Gesicht liegt im Schatten und symbolisiert die oft verborgenen gesundheitlichen Risiken im Friseurberuf.

Wenn Schönheit krank macht. Die unbequeme Wahrheit über den Friseurberuf.

Der Friseurberuf gilt als kreativ, kommunikativ und lebendig und verspricht Schönheit und Wohlbefinden. Was seltener thematisiert wird: Er stellt prozentual, mit Abstand die höchste Anzahl an beruflichen Hautkrankheiten und allergischen Beschwerden. Genau hier beginnt eine Diskussion, die längst überfällig ist.

 

Die offiziellen Zahlen

Laut AUVA entfielen 2024 in Österreich 37,5 % der beruflichen Hauterkrankungen auf Friseure, obwohl sie nur 0,4 % aller Berufstätigen ausmachen. Damit weist die Branche seit Jahrzehnten mit deutlichem Abstand die höchste Zahl an berufsbedingten Hauterkrankungen auf. Gleichzeitig gerät das Friseurhandwerk auch strukturell unter Druck: Seit 2010 ist die Zahl der Lehrlinge um mehr als 56 % gesunken, und Branchenangaben zufolge verlassen rund 62 % der ausgebildeten Friseure im Laufe ihres Berufslebens wieder das Handwerk.
Die Arbeitsmedizin bestätigt: Friseurinnen und Friseure gehören zur Hochrisikogruppe für beruflich bedingte Kontaktdermatitis. Studien zeigen, dass bis zu 30 – 40 % der Friseurinnen im Laufe ihres Berufslebens ein Handekzem entwickeln. Viele davon chronisch. Das ist keine Randnotiz. Das ist  Realität im Salon!

 

Zwei Kreisdiagramme zeigen die Häufigkeit beruflicher Hauterkrankungen und Berufskrankheiten bei Friseuren. Friseure verursachen 37,5 % aller anerkannten beruflichen Hauterkrankungen, Hauterkrankungen machen 79 % ihrer Berufskrankheiten aus.
Friseure stellen trotz ihres geringen Anteils an allen Erwerbstätigen die größte Gruppe bei beruflichen Hauterkrankungen. Hauterkrankungen sind die häufigste anerkannte Berufskrankheit im Friseurhandwerk.

 

Doch was passiert da eigentlich?

Die Haut ist unser größtes Organ. Sie schützt, reguliert und reagiert. Im Friseuralltag ist sie permanent Belastungen ausgesetzt: Färbemittel, Blondierungen, Dauerwellen, Persulfate, Duftstoffe, Tenside, Konservierer und vieles mehr.

Besonders problematisch für die Gesundheit gelten laut dermatologischen Studien:

p-Phenylendiamin (PPD)

ein stark sensibilisierender Bestandteil
vieler Haarfarben

Persulfate

häufige Auslöser für Kontaktallergien
und Atemwegsreizungen

Formaldehyd-Abspalter

in bestimmten Glättungsprodukten
nachweisbar

Diese Stoffe wirken als sogenannte Haptene: Kleine Moleküle, die das Immunsystem aktivieren und allergische Prozesse auslösen können. Wiederholte Exposition erhöht das Risiko einer dauerhaften Sensibilisierung. Was viele nicht wissen: Ist eine Sensibilisierung einmal entstanden, bleibt sie meist lebenslang bestehen.

 

Handschuhe als Lösung?

Die klassische Antwort und Empfehlung von Arbeitsmedizin-Programmen lautet: Handschuhe tragen! Und ja, Arbeitsmedizinisch betrachtet reduzieren sie die unmittelbare chemische Exposition. Gleichzeitig berichten dermatologische Studien, dass langes Tragen von dichten Einmalhandschuhen zu Feuchtigkeitsstau, Mazeration (das Aufweichen von Gewebe durch Flüssigkeit) und Störung der Hautbarriere führen kann – besonders bei ohnehin vorgeschädigter Haut. Schwitzen, aufgeweichte Haut, Mikroverletzungen sind die Folgen. Ein unaufhaltsamer Kreislauf beginnt.

Die eigentliche Frage lautet daher: Warum muss ein Beruf, der Pflege und Wohlbefinden verkauft, überhaupt so stark auf Barriere-Schutz setzen?

 

Die Langzeitfolgen

Chronische Handekzeme sind nicht nur kosmetisch belastend. Sie können:

  • schmerzhaft sein
  • die Feinmotorik beeinträchtigen
  • wiederkehrende Entzündungen verursachen
  • und im Extremfall zur Berufsaufgabe führen

Hinzu kommen Atemwegsbeschwerden durch z.B. Dämpfe. Studien beschreiben ein erhöhtes Risiko für arbeitsbedingtes Asthma bei Friseurinnen, insbesondere durch Persulfate (welche übrigens auch zum Ätzen von Leiterplatten verwendet werden). Viele dieser Entwicklungen beginnen schleichend. Ein bisschen Jucken. Ein
bisschen Rötung. Ein bisschen Husten. Und irgendwann wird daraus eine Diagnose.

 

Was dir niemand erklärt

Die meisten Friseure lernen in ihrer Ausbildung das Handwerk. Was häufig fehlt: Tiefgehendes Wissen über Inhaltsstoffe und deren biologische Wirkung. Das Produktmarketing fokussiert sich auf den perfekten Glanz, Halt und das Farbergebnis. Kaum jemand spricht über Sensibilisierungspotenzial, Barrierebelastung
oder kumulative Effekte über 20 oder 30 Berufsjahre. Noch seltener wird darüber gesprochen, dass viele dieser Risiken vermeidbar wären.

 

Gibt es Alternativen?

Ja! Konsequent natürliche Pflegeprodukte und Haarfarben auf Pflanzenbasis enthalten keine synthetischen Oxidationsfarbstoffe wie PPD. Sie funktionieren nach
einem anderen Prinzip: Pflanzliche Pigmente lagern sich um das Haar, statt tief in die Haarstruktur einzudringen. Auch bei Haut- und Haarpflegeprodukten lässt
sich die Belastung deutlich reduzieren, wenn auf stark sensibilisierende Inhaltsstoffe verzichtet wird. Das bestätigt auch unsere Erfahrung: In über 30 Jahren ist uns keine CulumNATURA® NATURfriseurin bekannt, die berufliche Haut- oder Atemwegserkrankungen entwickelt hat, obwohl wir sehr viele Neukunden (Friseure) über die Krankheitsschiene bekommen. Wissen ist hier entscheidend – und zwar ganzheitliches Wissen über Inhaltsstoffe, Hautphysiologie und Langzeitrisiken.

Denn ein Beruf, der auf Schönheit basiert, sollte weder die Gesundheit derjenigen, die ihn ausüben, noch deren Konsumenten gefährden.

 

Die unbequeme Wahrheit

Die Friseurbranche ist kreativ, lebendig und wichtig. Doch sie ist auch eine Branche, in der gesundheitliche Risiken lange normalisiert wurden. Dazu gehören Aussagen wie: „Das gehört dazu“, „Das hatte ich auch am Anfang“ oder „Die Haut gewöhnt sich schon dran“.

Nein! Sie gewöhnt sich nicht. Sie reagiert! Und Reaktion ist immer ein (Warn)Signal.

 

Warum du es wissen solltest

Weil du deinen Beruf langfristig ausüben möchtest. Weil du dich nicht zwischen Kreativität und Gesundheit entscheiden musst. Weil Wissen Freiheit bedeutet. Deswegen ist es Zeit für deinen Neubeginn: Nicht nur besser zu arbeiten, sondern bewusster.

 

 

Quelle: AUVA Statistik: Anerkannte Berufskrankheiten 2024, Erwerbstätige
Fotos: ©Adobe Stock/Jade, dipu

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