NO GO: Glycerin

Ein rosafarbenes Stück Seife, das heftig schäumt

Glycerin in Kosmetik: Feuchtigkeitsspender oder Feuchtigkeitsräuber?

Glycerin gilt in der Kosmetik seit vielen Jahren als klassischer „Feuchtigkeitsspender“ und findet sich auch in vielen Produkten der NATURkosmetik. Das klingt im ersten Moment positiv, denn Glycerin kann pflanzlichen Ursprungs sein und ist deshalb in zertifizierter NATURkosmetik erlaubt.

Genau hier liegt jedoch ein häufiger Denkfehler: Pflanzlich bedeutet noch lange nicht automatisch hautfreundlich oder sinnvoll. Entscheidend ist immer, wie ein Stoff wirkt.

Zusätzlich lohnt ein Blick auf die Herkunft: Glycerin kann aus pflanzlichen und tierischen Fetten gewonnen werden, ebenso aus erdölbasierten Rohstoffen. Qualität, Reinheit und Verarbeitung machen hier einen spürbaren Unterschied.

 

Warum Glycerin so beliebt ist

Glycerin hat eine Eigenschaft, die in der Kosmetik gerne genutzt wird: Es bindet Wasser. Dadurch fühlt sich die Haut nach dem Auftragen oft sofort glatter, weicher und geschmeidiger an. Trockenheitsfältchen wirken gemildert, die Oberfläche scheint ruhiger und gepflegter.

Es liefert rasch ein angenehmes Hautgefühl und vermittelt den Eindruck intensiver Pflege. Dazu kommt ein klarer Formulierungs-Vorteil: Glycerin hilft Rezepturen oft, sich gleichmäßig zu verteilen und stabil zu bleiben. Glycerin selbst ist kein Emulgator im chemischen Sinn, wird jedoch als Ausgangsstoff für die Herstellung bestimmter Emulgatoren verwendet und kann dadurch indirekt zur deren Stabilität beitragen.
Außerdem ist Glycerin ein sehr günstiger Rohstoff, der in großen Mengen verfügbar ist, unter anderem als Nebenprodukt technischer Prozesse wie der Biodiesel-Erzeugung. Das erklärt, warum die Industrie den Stoff so flächendeckend einsetzt.

 

Die Wirkung ist widersprüchlich

So überzeugend sich Glycerin im ersten Moment anfühlt und anhört, so kritisch darf seine Wirkung betrachtet werden. Glycerin zieht Wasser an. Das ist seine zentrale Eigenschaft. Die entscheidende Frage ist nur: Woher kommt dieses Wasser?

Ist genügend Luftfeuchtigkeit vorhanden, kann Glycerin Feuchtigkeit aus der Umgebung binden, ab ca. 40% Luftfeuchtigkeit schafft es die Haut auch ohne Glycerin. Fehlt allerdings diese Luftfeuchtigkeit, zieht es Wasser aus tieferen Hautschichten nach oben. Genau dort beginnt das Problem.

Was als Feuchtigkeitspflege gedacht ist, kann unter trockenen Bedingungen zum Gegenteil werden. Dann unterstützt Glycerin die Haut nicht, sondern entzieht ihr Feuchtigkeit aus tieferen Schichten, welche in Glycerin gebunden bleibt und bei der nächsten Reinigung mit abgewaschen wird.

 

Trockene Luft ist im Alltag normal

Genau dieser Punkt wird oft übersehen. Trockene Luft ist kein Ausnahmefall. Heizungsluft im Winter, klimatisierte Räume, lange Autofahrten, Büros oder Flugreisen gehören für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Alltag.

In solchen Situationen kann Glycerin seine widersprüchliche Seite zeigen. Die Haut fühlt sich anfangs noch weich an, verliert langfristig jedoch genau jene Feuchtigkeit, die sie eigentlich bewahren sollte. Das kann sich durch Spannungsgefühl, trockene Stellen oder das Bedürfnis zeigen, ständig nachzucremen.

 

Ein gutes Beispiel: Ohrentropfen mit Glycerin

Wie stark diese Eigenschaft von Glycerin tatsächlich ist, zeigt ein sehr einfaches Beispiel aus einem ganz anderen Bereich: In Ohrentropfen ist Glycerin einer der Haupt-Inhaltsstoffe, um dem Gewebe Flüssigkeit zu entziehen, was zu einer Verringerung von Schwellungen und damit zur Linderung von Schmerzen führt.

Und genau das zeigt den Widerspruch sehr deutlich: In der Kosmetik wird Glycerin oft als Feuchtigkeitsspender dargestellt, in einem anderen Zusammenhang (Ohrentropfen) wird derselbe Stoff verwendet, um Feuchtigkeit zu entziehen. Beleuchten wir doch folgende Situation: Wenn schon ein Tropfen im Ohr genügend Feuchtigkeit herauszieht, um den schmerzhaften Druck zu beseitigen, was passiert, wenn wir täglich eine Vielzahl von Produkten verwenden – angefangen bei Shampoo und Gesichtscreme bis hin zu Zahnpasta und Make-up? Diese enthalten Glycerin und werden täglich über den ganzen Körper verteilt. Diese Prozedur beginnt schon im frühesten Babyalter, da dieser Stoff (Glycerin) schon in den meisten Babypflegeprodukten beigemengt wird.

 

Pflanzlich heißt nicht automatisch sinnvoll

Bei Glycerin ist genau das entscheidend. Seine Herkunft mag pflanzlich sein, seine Wirkung bleibt dennoch widersprüchlich. Ein kurzfristig schönes Hautgefühl ist noch kein Beweis für nachhaltige Unterstützung.

 

Worauf es bei guter Pflege wirklich ankommt

Hautpflege sollte die Haut begleiten, stärken und in ihrem natürlichen Gleichgewicht unterstützen. Sie sollte die Haut dabei fördern, Feuchtigkeit zu bewahren und ihre Eigenfunktion zu erhalten.

Ein Stoff, der je nach Umgebungsluft das Gegenteil bewirken kann, ist deshalb kritisch zu betrachten. Gerade bei Pflegeprodukten, die täglich verwendet werden, lohnt sich ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe.

Denn echte Pflege zeigt sich nicht nur im ersten Moment. Sie zeigt sich vor allem darin, wie sich die Haut langfristig anfühlt.

 

Fazit: Glycerin ist kritischer zu sehen, als viele glauben

Glycerin hat in der Kosmetik ein gutes Image. Es gilt als pflanzlich, ist in der NATURkosmetik zugelassen und wird oft als Feuchtigkeitsspender beworben. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch eine widersprüchliche Wirkung und es ist auf Dauer gesehen ein Feuchtigkeitsräuber.

Genau deshalb lohnt es sich, bei Pflegeprodukten genauer hinzusehen. Denn pflanzlich allein ist kein Qualitätsbeweis. Entscheidend ist, ob ein Inhaltsstoff die Haut wirklich unterstützt oder ihr am Ende genau das nimmt, was sie eigentlich braucht.

 

 

 

Quellen:

easyear® Ohrentropfen – Packungsbeilage.
https://www.onlineapo.at/uploads/leaflets/5183703_easyear%20Packungsbeilage.pdf

Loden, M. (2003). Role of topical emollients and moisturizers in the treatment of dry skin barrier disorders

https://olionatura.de/

https://www.pta-forum.de/sinnvoll-fuer-feuchtigkeit-sorgen-150336/?utm_source=chatgpt.com

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