NO GO: Lilial

Chemische Struktur des NO-GO-Inhaltsstoffes Lilial vor Maiglöckchen

Dass Lilial von der Kosmetikindustrie so gerne verwendet wird, ist auf den milden und blumigen Duft von Maiglöckchen zurückzuführen – eine sehr wohlriechende Pflanze, die zumeist als angenehm und frisch wahrgenommen wird.

Da sich ätherische Öle nicht aus jeder Pflanze gewinnen lassen und entsprechende Versuche mit dem Maiglöckchen bisher erfolglos waren, wird seit den 1950er-Jahren Lilial in Parfüms, Kosmetika und in Verbraucherprodukten verwendet, um sie durch den Frühlingsduft attraktiver zu machen.

Lilial gilt als CMR-Stoff

Leider ist dieser Inhaltsstoff nicht ungefährlich. Schon jahrelang steht Lilial in Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Es wurde 2020 aufgrund seines wahrscheinlich erbgutschädigenden Potentials als CMR-Stoff (cancerogen, mutagen, reproduktionstoxisch) eingestuft.

Zur Information: Duftstoffe, für die ein aller­gieauslösendes Potenzial nachgewiesen wurde und die in einer bestimmten Kon­zentration im Produkt enthalten sind, müssen namentlich gekennzeichnet werden. Alle anderen werden in der Liste der Bestandtei­le auf der Verpackung („Ingredients“) unter dem Sammelbegriff „Parfüm“ zusammen­gefasst.

Verboten – und trotzdem nachgewiesen

Laut der Kosmetikverordnung  VO (EU) 2023/1545* vom 26. Juli 2023 wurde festgelegt, dass 82 Inhaltsstoffe – so auch das beschriebene Lilial – aufgrund ihres allergieauslösenden Potenzials zusätzlich deklariert werden. Hintergrund für die Einstufung von Lilial als kritischer Stoff bildet auch seine weite Verbreitung in zahlreichen und sehr verschiedenen Produkten. So kann laut SCCS (Scientific Committee on Consumer Safety) schwer eingeschätzt werden, wie hoch die tatsächliche Belastung im Alltag aussieht.

Im März 2022 wurde der Einsatz von Lilial EU-weit in kosmetischen Mitteln verboten. Leider wurden laut einer AGES-Schwerpunktaktion (Bericht vom Mai 2023) Lilial dennoch in 17 von 59 getesteten kosmetischen Mitteln (hauptsächlich in Parfüms) nachgewiesen, obwohl es bereits verboten ist.

Die Industrie hat sich großteils auf Alternativen umgestellt. Inzwischen gibt es eine Reihe von ähnlich duftenden Substanzen. Um jedoch generell Chemie wie künstliche Duftstoffe zu vermeiden, solltest du nach Möglichkeit auf unparfümierte Produkte zurückgreifen oder am besten in biozertifizierte NATURkosmetik investieren.

 

Weitere Bezeichnungen für Lilial: Bei Kosmetika, Reinigungs- oder Waschmitteln wird es auch als Lysmeral oder Butylphenyl Methylpropional bezeichnet.

 

Quelle: Deutsche ApothekerZeitung, Deutscher Allergie & Asthmaverbund, Bericht FOCUS online
*https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32009R1223&from=DE